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    Analyse23. Oktober 20269 Min. Lesezeit

    YouTube-Golf: Wie Bryson, Good Good und Co. das Golfmarketing neu ordnen

    Bryson DeChambeau hat mehr YouTube-Abonnenten als die PGA Tour, LIV steht unter Gläubigerschutz: was die neue Golf-Ära für Marken, Clubs und Händler heißt.

    Bryson DeChambeau beim Ryder Cup 2025 in Bethpage, im Hintergrund Zuschauer
    Bryson DeChambeau beim Ryder Cup 2025. Sein YouTube-Kanal hat inzwischen mehr Abonnenten als der offizielle Kanal der PGA Tour. Foto: Bryan Berlin, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Ausschnitt)

    Im Mai 2024 hatte Bryson DeChambeaus YouTube-Kanal gut 600.000 Abonnenten. Im Oktober 2026 sind es rund drei Millionen, mehr als beim offiziellen Kanal der PGA Tour und fast siebenmal so viele wie bei LIV Golf. Die Liga, die DeChambeau 2022 verpflichtet hat, steht inzwischen unter Gläubigerschutz, sein Vertrag mit ihr wurde vom Insolvenzgericht aufgehoben. Sein Kanal wächst weiter. Kürzer lässt sich die neue Ära im Golf kaum beschreiben: Aufmerksamkeit wandert von Institutionen zu Personen und Formaten. Für Golfmarken, Clubs und Händler verändert das, wo und wie sie neue Kundinnen und Kunden gewinnen.

    Die Zahlen: Personen schlagen Institutionen

    Unter den größten Golfkanälen auf YouTube dominieren Creator, nicht Verbände oder Tours. Anfang August 2026 lag Rick Shiels bei 3,08 Millionen Abonnenten, Bryson DeChambeau bei 2,8 Millionen, Good Good bei 2,12 Millionen, Grant Horvat bei 1,78 Millionen und Bob Does Sports bei 1,38 Millionen. DeChambeau hat im Oktober die Marke von drei Millionen erreicht. Die offiziellen Kanäle der Tours liegen darunter: Die PGA Tour hat weniger Abonnenten als DeChambeau, die DP World Tour kam im Oktober 2026 auf 583.000, LIV Golf auf 438.000.

    Rick Shiels3,08 Mio.Bryson DeChambeau3,00 Mio.Good Good2,12 Mio.Grant Horvat1,78 Mio.Bob Does Sports1,38 Mio.DP World Tour (offizieller Kanal)583.000LIV Golf (offizieller Kanal)438.000
    YouTube-Abonnenten, gerundet. Creator: Anfang August 2026 (Athlon Sports), DeChambeau: Oktober 2026 (vidIQ). Offizielle Tour-Kanäle: Oktober 2026 (SpeakRJ). Der Kanal der PGA Tour liegt knapp unter DeChambeau.

    Wie schnell das geht, zeigt Grant Horvat: Im Juli 2024 hatte er rund 750.000 Abonnenten, zwei Jahre später mehr als doppelt so viele. Bei DeChambeau verlief die Kurve noch steiler.

    Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Reichweite pro Video. DeChambeau hat bis Oktober 2026 mit 325 Videos rund 733 Millionen Aufrufe gesammelt, im Schnitt mehr als zwei Millionen pro Video. Die PGA Tour hat über 22.000 Videos veröffentlicht. Eine Auswertung der Agentur MKTG kam im September 2025 über die jeweils letzten zehn Videos auf durchschnittlich 540.000 Aufrufe bei Good Good, gegenüber 85.000 bei der PGA Tour und 55.000 bei LIV Golf.

    Zwei weitere Zahlen erklären, warum das für das Marketing zählt. Laut dentsu Sports Analytics ist YouTube weltweit die wichtigste Plattform, auf der Golffans den Sport verfolgen. Und laut National Golf Foundation beschäftigen sich in den USA mehr als 50 Millionen Menschen in sozialen Medien mit Golf, rund 80 Prozent von ihnen spielen selbst nicht. YouTube-Golf erreicht also vor allem Menschen, die noch keine Golfer sind. Für eine Branche, die neue Spieler braucht, ist das die wichtigste Zahl dieses Beitrags.

    Warum Creator gewinnen

    Der erste Grund ist Nähe. Creator zeigen Fehlschläge, lachen über sich selbst und nehmen die Zuschauer mit auf die Runde. DeChambeau sagte 2024, er habe hart daran gearbeitet, dass die Leute ihn ein bisschen besser verstehen, und YouTube sei dafür eine großartige Plattform gewesen. Ein Turnierauftritt bietet diese Nähe nicht.

    Der zweite Grund sind Formate. Erfolgreiche Golfkanäle funktionieren wie Fernsehserien mit festen Regeln, die das Publikum kennt und auf die es zurückkommt. DeChambeaus „Break 50“ ist so ein Format: Er versucht mit prominenten Gästen, eine Runde unter 50 Schlägen zu spielen. Die Folge mit Donald Trump erreichte über zwölf Millionen Aufrufe. Im September 2026 startete er „Backyard Games“: zehn Golfer, darunter Grant Horvat und der deutsche Long-Drive-Weltmeister von 2022, Martin Borgmeier, spielen in seinem Garten K.-o.-Duelle über ein Loch. Wer am Ende übrig bleibt, spielt gegen DeChambeau um 100.000 Dollar.

    Der dritte Grund ist Eigentum. Tourspieler haben ihre Medienrechte lange gesammelt an die Tour abgegeben. Wer seinen eigenen Kanal betreibt, besitzt seine Reichweite selbst. DeChambeau hat genau diese Unabhängigkeit über Jahre aufgebaut.

    Die Tours ziehen nach

    Die PGA Tour hat verstanden, wo das Publikum ist. Seit August 2024 veranstaltet sie die Creator Classic, ein Turnier für YouTube-Creator im Umfeld ihrer großen Wochen. Die erste Ausgabe fand in East Lake statt, 2025 folgten drei weitere: bei der Players Championship in Sawgrass, in Philadelphia und erneut in East Lake, dort erstmals mit 100.000 Dollar Preisgeld für den Sieger. Übertragen wird unter anderem auf dem YouTube-Kanal der Tour. Wenn die größte Tour der Welt Reichweite bei Creatorn leiht, ist das ein klares Signal.

    LIV Golf ging den umgekehrten Weg und ließ seine Spieler eigene Medien aufbauen, verlor aber die finanzielle Grundlage. Am 30. April 2026 bestätigte der saudische Staatsfonds PIF, die Liga nur noch bis zum Ende der Saison 2026 zu finanzieren. Im September beantragte LIV Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts, DeChambeau steht mit 5,77 Millionen Dollar auf der Liste der größten Gläubiger. Am 14. Oktober hob das Insolvenzgericht seinen Vertrag auf, wie den von 18 weiteren Spielern. Seine Reaktion schon im Mai: „Ich würde meinen YouTube-Kanal gern verdreifachen, vielleicht sogar mehr.“ Der eigene Kanal ist das Vermögen, das die Liga überlebt. Wie es so weit kam, steht im Beitrag zur Geschichte von LIV Golf.

    Das Fernsehen ist deshalb nicht am Ende. Die Finalrunde des Masters 2026 sahen in den USA im Schnitt 13,99 Millionen Menschen. Die großen Ereignisse bleiben im Fernsehen. Alles dazwischen wandert dorthin, wo Menschen selbst entscheiden, was sie sehen.

    Aus Reichweite wird Handel, und Risiko

    Good Good zeigt, wie aus einem Kanal ein Konsumgüterunternehmen wird. 2020 gegründet, 2025 mit 45 Millionen Dollar Kapital ausgestattet, mit Produkten in rund 4.000 Verkaufsstellen und für 2026 als Titelsponsor eines Turniers der PGA Tour angekündigt. Good Good konkurriert damit um Regalfläche wie jede etablierte Bekleidungsmarke.

    Und Good Good zeigt das Risiko. Ein einziger Werbeclip mit Callaway hat Ende August 2026 innerhalb von zwölf Tagen Partner, Handelsplätze und die Firmenspitze gekostet. Was daraus zu lernen ist, habe ich im Beitrag zum Fall Good Good aufgeschrieben. Die Kurzfassung: Je mehr Geschäft an wenigen Gesichtern hängt, desto wichtiger wird die Führung dahinter.

    Was das für Golfmarken, Clubs und Händler in DACH heißt

    Auch im deutschsprachigen Raum verschiebt sich das Sehen. Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2026 nutzen 47 Prozent der Menschen in Deutschland YouTube mindestens einmal pro Woche. Von den 14- bis 29-Jährigen schauen 77 Prozent wöchentlich Videos auf YouTube, lineares Fernsehen nur 44 Prozent. Das deutschsprachige Golfangebot auf YouTube ist dagegen klein: Der größte österreichische Golfkanal, Florian Raggl Golf, kommt laut HiveInfluence auf rund 72.000 Abonnenten, Rick Shiels auf über drei Millionen. Wer im DACH-Raum früh eigene Formate aufbaut, besetzt eine Lücke.

    In Deutschland wachsen laut den aktuellen Zahlen des Deutschen Golf Verbands die 21- bis 26-Jährigen und die 27- bis 35-Jährigen mit jeweils gut 8 Prozent am stärksten. Ob YouTube der Grund dafür ist, belegen die Daten nicht. Wer diese Gruppe erreichen will, muss aber dort präsent sein, wo sie Golf zuerst sieht. Daraus folgen fünf Konsequenzen.

    Marken: Creator-Partnerschaften wie Mediaplanung führen

    Eine Kooperation mit Creatorn braucht dasselbe wie jede andere Kampagne: Ziel, Zielgruppe, Format, Freigabe und Messung. Langfristige Partnerschaften mit passenden Creatorn wirken stärker als einzelne Posts. Kleinere Creator mit einem klar umrissenen Publikum sind oft effizienter als große Namen. Lassen Sie sich vor Vertragsschluss die Publikumsdaten zeigen: Land, Alter, Geschlecht.

    Clubs und Resorts: Bühne bieten

    Golfplätze sind die Kulisse fast jedes Golfvideos. Ein Club, der Creator-Formate auf seinem Platz ermöglicht, bekommt Reichweite, die er mit dem eigenen Kanal nie aufbauen könnte. Das braucht Regeln für Startzeiten, Dreharbeiten, Mitgliederinformation und Markenfit. Und einen Plan für den Tag danach: Wie werden aus Zuschauern Gäste, aus Gästen Mitglieder?

    Händler: Community-Produkte ernst nehmen

    Nach eigenen Angaben stammte 2025 die Mehrheit der zehn meistverkauften Caps bei Dick’s Sporting Goods und Golf Galaxy von Good Good. Creator-Produkte verkaufen Zugehörigkeit, nicht nur Ware. Händler sollten beobachten, nach welchen Creator-Marken ihre Kundschaft fragt, und deren Markenrisiko prüfen wie bei jedem anderen Lieferanten.

    Alle: Eigene Formate statt Einzelposts

    DeChambeaus Kanal funktioniert, weil er Serien produziert. Auch ein Club oder eine Marke kann ein wiederkehrendes Format aufbauen: eine monatliche Challenge auf dem Heimatplatz, ein Einsteigertagebuch, Produkttests mit dem eigenen Fitting-Team. Ein eigenes Format baut über Monate Publikum auf. Und ein eigener Kanal gehört Ihnen, auch wenn sich Partner, Plattformen oder Ligen ändern.

    Messen, was zählt

    Aufrufe sind kein Umsatz. Legen Sie vor jeder Kampagne fest, woran Sie Erfolg messen: Anfragen, Schnupperstunden, Neukunden, Umsatz über Rabattcodes, Newsletter-Anmeldungen. Erst dann lässt sich entscheiden, ob ein Creator-Budget besser angelegt ist als dieselbe Summe in Werbeanzeigen.

    Die Fragen, die bleiben

    Wenn einzelne Spieler mehr Abonnenten haben als ihre Tour, wer verhandelt künftig mit Sponsoren, die Liga oder der Spieler? Wie viel Spontaneität bleibt YouTube-Golf, wenn Ausrüster jeden Clip freigeben wollen? Entsteht im deutschsprachigen Raum ein Golf-Creator, der für eine junge Generation das wird, was Bernhard Langer für die Fernsehgeneration war? Und wer baut ihn auf: eine Marke, ein Club oder ein Verband?

    Häufige Fragen

    Wie viele YouTube-Abonnenten hat Bryson DeChambeau?

    Im Oktober 2026 rund 3,0 Millionen. Im Mai 2024 hatte sein Kanal gut 600.000 Abonnenten, die Millionengrenze überschritt er im Juli 2024. Seine 325 Videos haben zusammen rund 733 Millionen Aufrufe.

    Welches ist der größte Golfkanal auf YouTube?

    Unter den Golf-Creatorn liegen Rick Shiels und Bryson DeChambeau mit jeweils rund drei Millionen Abonnenten vorn, gefolgt von Good Good, Grant Horvat und Bob Does Sports. Der offizielle Kanal der PGA Tour hat weniger Abonnenten als DeChambeau.

    Was ist die Creator Classic der PGA Tour?

    Ein Turnier für YouTube-Creator, das die PGA Tour seit August 2024 im Umfeld ihrer großen Turniere veranstaltet und unter anderem auf YouTube überträgt. 2025 gab es drei Ausgaben, beim Finale in East Lake erstmals mit 100.000 Dollar Preisgeld.

    Lohnt sich Influencer-Marketing für Golfmarken?

    Wenn Zielgruppe, Format und Messung stimmen, ja. Entscheidend sind die Publikumsdaten des Creators, ein klarer Freigabeprozess und eine Erfolgskennzahl, die über Aufrufe hinausgeht.

    Quellen

    Stand: 23. Oktober 2026. Abonnentenzahlen ändern sich laufend und sind gerundet.

    Über den Autor

    Claudio Lohs

    MBA. 20+ Jahre in der Golfbranche als Spieler, Club-Präsident und Stratege. 12+ Jahre Marketing-Expertise in Brand Management und E-Commerce. Ich arbeite für Sie. Für niemanden sonst.

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