Zwölf Tage, die Good Good verändert haben: Was Golfmarken aus dem Callaway-Clip lernen
Ein Werbeclip, zwölf Tage, verlorene Partner und eine neue Firmenspitze: was der Fall Good Good über Creator-Marketing und Freigaben im Golf zeigt.

Am 21. August 2026 veröffentlichte Good Good, eine der größten Creator-Marken im Golf, einen Werbeclip für einen gemeinsam mit Callaway vermarkteten Driver. Zwölf Tage später waren der Callaway-Vertrag, die Plätze in den Regalen großer US-Händler, das Titelsponsoring eines PGA-Tour-Turniers, eine Fernsehshow und die Firmenspitze weg. Der Fall ist mehr als eine Episode aus dem amerikanischen YouTube-Golf. Er zeigt, was passiert, wenn Reichweite schneller wächst als die Organisation, die sie verantwortet. Und er betrifft jede Golfmarke, die mit Creatorn arbeitet oder es vorhat.
Was passiert ist
Der Clip war eine Minute lang. Garrett Clark, Mitgründer und bekanntestes Gesicht von Good Good, stößt darin die Golferin und Creatorin Alexis Miestowski zu Boden, weil sie nach seinem neuen Driver greift, und ruft: „Do not touch my new driver.“ Gemeint war das als Parodie auf eine Filmszene. Angekommen ist es als Gewalt gegen eine Frau, eingesetzt, um ein Produkt zu verkaufen.
Wie schnell daraus eine Unternehmenskrise wurde, zeigt die Chronologie.
| Datum (2026) | Was geschah |
|---|---|
| 21. August | Good Good veröffentlicht den Clip auf den eigenen Kanälen und löscht ihn nach heftiger Kritik noch am selben Tag. |
| 22. August | Good Good entschuldigt sich in einer Stellungnahme aus drei Sätzen. |
| 25. August | PGA-Tour-Chef Brian Rolapp nennt die erste Reaktion „enttäuschend“ und „etwas defensiv und spät“. Callaway-Chef Chip Brewer räumt ein, dass Callaway den Clip vorab freigegeben hatte. Golf Channel verschiebt den Start der gemeinsamen Show „Big Break x Good Good“. |
| 25. und 26. August | Dick’s Sporting Goods, Golf Galaxy und der PGA Tour Superstore nehmen Good-Good-Ware aus dem Sortiment, Target aus dem Onlineshop. Garrett Clark entschuldigt sich in einem Video. |
| 27. August | Callaway beendet die Partnerschaft und sagt eine Million Dollar für Organisationen gegen Gewalt an Frauen zu. Good Good gibt das Titelsponsoring des PGA-Tour-Turniers in Austin ab, Golf Channel sagt die Show ab. |
| 28. August | CEO Matt Kendrick wirft Callaway auf X vor, Good Good die Schuld zuzuschieben. Der Post erreicht 8,8 Millionen Aufrufe. |
| 2. September | Kendrick und Präsident Joe Flannery verlassen das Unternehmen. |
Das Turnier im November heißt inzwischen Austin Championship. Garrett Clark nannte den Clip in seiner Videobotschaft geschmacklos und die Kritik „sehr berechtigt“.
Video
Garrett Clarks Videobotschaft vom 26. August 2026: Er nennt den Clip geschmacklos, die Kritik berechtigt und entschuldigt sich bei Alexis Miestowski und der Golf-Community.
Beim Laden werden Daten an X (ehemals Twitter) übertragen. Alternativ direkt auf X ansehen.
Warum ein Clip so viel kosten kann
Good Good begann 2020 als YouTube-Kanal einer Gruppe befreundeter Golfer. Heute hat der Hauptkanal rund 2,1 Millionen Abonnenten, und aus dem Kanal ist ein Handelsunternehmen mit eigener Medienproduktion und Sitz in Texas geworden. 2025 sammelte Good Good 45 Millionen Dollar Kapital ein, unter anderem von der Produktionsfirma des früheren Football-Stars Peyton Manning. Binnen eines Jahres wuchs die Zahl der Verkaufsstellen im Handel von rund 800 auf rund 4.000. Nach eigenen Angaben stammte 2025 die Mehrheit der zehn meistverkauften Caps bei Dick’s und Golf Galaxy von Good Good. Dazu kamen die Callaway-Kooperation seit 2023, eine Fernsehshow und als Krönung das Titelsponsoring eines Turniers der PGA Tour.
Jeder dieser Bausteine hing an einem Partner: am Handel, an der Tour, am Sender, am Ausrüster. Jeder dieser Partner hat eine eigene Marke, eigene Kundinnen und Kunden und ein eigenes Risikomanagement. Sie haben innerhalb weniger Tage reagiert, schneller als jede Community. Good Good selbst berichtet, dass der Onlineverkauf weiter wächst und die Investoren an Bord bleiben. Das passt ins Bild: Die Fans verzeihen schneller als die Partner. Wer sein Geschäft auf Partner gebaut hat, muss aber nach deren Maßstäben führen.
Fünf Lehren für Golfmarken, Händler und Clubs
1. Freigabe ist Markenführung, keine Formalie
Callaway-Chef Chip Brewer stellte klar, dass der Clip zwar von Good Good produziert, aber vor der Veröffentlichung von Callaway freigegeben worden war: „Diese Freigabe hätte nie passieren dürfen.“ Callaway hat seine Freigabeprozesse nach eigenen Angaben inzwischen deutlich verschärft. In der Praxis läuft Creator-Content oft schnell und informell durch: ein Link im Chat, ein Daumen nach oben, online. Das passt zur Geschwindigkeit der Plattformen, aber nicht zur Verantwortung einer Marke.
Legen Sie fest, wer Inhalte von Creatorn und Agenturen freigibt, nach welchen Kriterien und mit welchem Vetorecht. Dazu gehört eine schriftliche Liste dessen, was nicht geht, von der Darstellung von Gewalt bis zu Witzen auf Kosten von Gruppen, die Sie gewinnen wollen.
2. Testen Sie mit der Zielgruppe, die wachsen soll
Das Marktforschungsunternehmen Zappi hat den Clip nachträglich 150 US-Konsumentinnen und -Konsumenten gezeigt, die Sport- und Outdoorprodukte kaufen. 53 Prozent der Männer fanden ihn angemessen, aber nur 35 Prozent der Frauen. 37 Prozent der Frauen sahen Callaway danach negativer, bei den Männern waren es 13 Prozent. Die Stichprobe ist klein, die Richtung eindeutig. Der Wettbewerber PXG reagierte binnen Tagen mit einem eigenen Driver-Clip, in dem Profigolferinnen spielen, und dem Satz „Our drivers play nice with everyone“.
Für die Golfbranche ist das der teuerste Teil der Geschichte. Frauen sind das Segment, das wächst: In den USA stellen sie laut National Golf Foundation 28 Prozent der Golfer auf dem Platz, so viele wie nie, und 35 Prozent der Einsteiger. In Deutschland liegt der Frauenanteil bei 34,7 Prozent und sinkt seit Jahren. Wer Kampagnen nur mit dem Kernpublikum prüft, optimiert auf den Markt von gestern.
3. Reichweite ist geliehen, das Vertrauen der Partner ist Kapital
Good Good hat innerhalb einer Woche die Partner verloren, die aus Reichweite Umsatz machten. Für Marken, die mit Creatorn arbeiten, heißt das: Verträge brauchen Inhaltsrichtlinien, Freigabeschritte und klare Ausstiegsklauseln, und zwar für beide Seiten. Für Creator-Marken und junge Direktvertriebsmarken heißt es: Die Organisation muss mit der Reichweite wachsen. Was als Freundesgruppe mit Kamera funktioniert, trägt kein Unternehmen mit 4.000 Verkaufsstellen.

4. Die erste Reaktion entscheidet über den Verlauf
PGA-Tour-Chef Brian Rolapp kritisierte nicht nur den Clip, sondern die erste Reaktion darauf. Den größeren Schaden richtete aber der eigene CEO an, als er Callaway öffentlich die Schuld gab. Aus einem misslungenen Werbeclip wurde ein Führungsproblem, und das kostete die Firmenspitze.
Jede Marke, die öffentlich kommuniziert, braucht einen Krisenplan, bevor sie ihn braucht: Wer spricht, innerhalb welcher Frist, mit welcher Haltung. Dazu gehört die Regel, dass in den ersten Tagen niemand im Alleingang postet, auch nicht die Geschäftsführung.
5. Humor ist kein Freibrief
Der Erfolg von Good Good beruht auf Persönlichkeit statt Perfektion, auf Ironie und Nähe. Genau das macht YouTube-Golf für junge Menschen attraktiv, die mit dem Bild vom elitären Clubsport nichts anfangen können. Golf arbeitet aber seit Jahren daran, das Image als exklusiver und von Männern dominierter Sport loszuwerden. Ein Witz auf Kosten einer Frau wirft diese Arbeit zurück, egal wie er gemeint war.
Für Clubs und Marken in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die lockerer und jünger auftreten wollen, ist das kein Argument gegen Humor. Es ist ein Argument dafür, genau hinzusehen, auf wessen Kosten er geht.
Was der Fall für YouTube-Golf bedeutet
CNN beschrieb den Fall als jüngsten Zusammenstoß zwischen der alten Garde des Golfs und seiner neuen Welt. Das Ende der neuen Welt ist er nicht. Bryson DeChambeaus YouTube-Kanal wächst weiter, die PGA Tour veranstaltet seit 2024 eigene Turniere mit YouTube-Creatorn, und Good Good produziert weiter Videos. Seit Ende September setzt das Team wieder auf das Format, mit dem alles begann: In der Serie „50 States in 50 Days“ spielt es jeden Tag in einem anderen US-Bundesstaat, die Videos erreichen Hunderttausende Aufrufe. Dabei räumte Garrett Clark ein, dass viele Golfanlagen das Team zunächst nicht auf ihrem Platz haben wollten. Auch Clubs haben also verstanden, dass ein Creator-Besuch ein Markenthema ist.
Was sich ändert, sind die Spielregeln. Ausrüster, Händler und Tours werden Creator-Partnerschaften künftig behandeln wie jede andere Mediaplanung: mit Briefing, Freigabe, Prüfung und Vertrag. Für Creator bedeutet das weniger Spontaneität im Werbegeschäft. Für Marken bedeutet es, dass Creator-Marketing endgültig Chefsache ist.
Sechs Wochen später: Die Fans sind geblieben, der Handel nicht
Anfang Oktober zog Front Office Sports eine erste Bilanz. Interimistisch leitet Nahid Giga das Unternehmen, Giga gehört zu den frühen Geldgebern und sitzt im Board. Bei Dick’s, Golf Galaxy, Target und im PGA Tour Superstore ist Good Good weiterhin nicht im Sortiment. In Hunderten Pro Shops auf US-Golfanlagen liegt die Ware dagegen nach wie vor im Regal. Nach Angaben des Unternehmens erlebte der eigene Onlineshop in der letzten Augustwoche die besucherstärksten Tage seiner Geschichte, und zwei Drittel der Käufer bestellten dort zum ersten Mal bei der Marke. Der Hauptkanal auf YouTube gewann laut Social Blade in 30 Tagen rund 20.000 Abonnenten. Für das Turnier in Austin vom 12. bis 15. November hat die PGA Tour noch keinen neuen Titelsponsor benannt, und Golf Channel will „Big Break“ 2027 ohne Good Good neu starten.
Darin steckt die vielleicht wichtigste Lehre des Falls. Geblieben ist, was Good Good selbst gehört: die Community, der Kanal, der eigene Shop. Weggebrochen ist, was geliehen war: Regalplätze, Sponsoring, Sendezeit. Für jede Golfmarke ist das ein starkes Argument für eigene Kanäle, also den eigenen Shop, den eigenen Newsletter und eine Gemeinschaft, die nicht an einem einzelnen Partner hängt. Zugleich bleiben zwei unbequeme Fragen: Wie viel ist eine Marke wert, deren Fans bleiben, deren Partner aber gehen? Und wer setzt im Golfmarketing künftig die Regeln, die Community, die schnell verzeiht, oder die Partner, die schnell kündigen?
Was Sie jetzt prüfen sollten
Fünf Fragen, die jede Golfmarke, jeder Händler und jeder Club mit Social-Media-Auftritt beantworten können sollte, bevor die nächste Kampagne online geht:
- Wer gibt Inhalte von Creatorn und Agenturen frei, nach welchen schriftlichen Kriterien und mit welchem Vetorecht?
- Testen Sie Kampagnen auch mit Frauen und Einsteigern, nicht nur mit Stammkunden?
- Enthalten Ihre Creator-Verträge Inhaltsrichtlinien, Freigabeschritte und Ausstiegsklauseln?
- Gibt es einen Krisenplan mit einer verantwortlichen Person und einer Frist für die erste Stellungnahme?
- Wie stark hängt Ihr Umsatz an einzelnen Gesichtern, Partnern oder Kanälen?
Häufige Fragen
Was ist Good Good Golf?
Good Good ist eine US-amerikanische Creator-Marke mit Sitz in Texas. Sie startete 2020 als YouTube-Kanal, hat rund 2,1 Millionen Abonnenten und verkauft Bekleidung und Zubehör im eigenen Onlineshop und im Handel. 2025 sammelte das Unternehmen 45 Millionen Dollar Kapital ein.
Was zeigte der Werbeclip von Good Good und Callaway?
Mitgründer Garrett Clark stößt darin die Golferin Alexis Miestowski zu Boden, weil sie nach seinem neuen Driver greift. Der Clip erschien am 21. August 2026 und wurde nach heftiger Kritik noch am selben Tag gelöscht.
Warum hat Callaway die Partnerschaft mit Good Good beendet?
Callaway hatte den Clip vor der Veröffentlichung freigegeben. CEO Chip Brewer nannte diese Freigabe einen Fehler, beendete am 27. August 2026 die Zusammenarbeit und sagte eine Million Dollar für Organisationen zu, die sich gegen Gewalt an Frauen engagieren.
Was können Golfmarken aus dem Fall lernen?
Freigaben brauchen klare Kriterien und ein Vetorecht. Kampagnen gehören vor dem Start auch vor Frauen und Einsteiger. Creator-Verträge brauchen Inhaltsrichtlinien und Ausstiegsklauseln. Und für den Ernstfall braucht es einen Krisenplan mit einer klaren Stimme.
Quellen
- ABC News: Callaway Golf ends partnership with Good Good Golf after controversial ad, 27.08.2026
- Golf.com: Good Good ad and the initial response criticized by PGA Tour CEO, 25.08.2026
- Front Office Sports: Golf Galaxy, Dick’s pull Good Good merchandise amid ad controversy, 26.08.2026
- Golf Channel: Good Good steps away as title sponsor of fall PGA Tour event, 27.08.2026
- Golf.com: Good Good CEO resigns after controversial ad, viral social post
- Front Office Sports: Good Good Golf CEO steps down amid Callaway driver ad fallout
- Newsweek: Good Good Golf drama explained
- Forbes: Men and women viewed the Good Good Golf ad very differently, 01.09.2026
- CNN: A controversial ad for a golf club is the latest clash between golf’s old guard and new world, 25.08.2026
- GolfMagic: PXG takes aim at Callaway and Good Good Golf with new driver ad, 26.08.2026
- D Magazine: Good Good’s no good, very bad week, 02.09.2026
- Athlon Sports via Yahoo: Good Good turns back to what built it, 30.09.2026
- Heavy: Garrett Clark makes emotional admission during 50 States in 50 Days, 03.10.2026
- Variety: Good Good Golf raises 45 million dollars, 2025
- Athlon Sports: Golf’s most popular players, creators and brands in 2026, 05.08.2026
- National Golf Foundation: Golf Industry Facts
- golfmanager: Golf in Deutschland wächst moderat
- Front Office Sports: Is Good Good Golf Already Back?, 06.10.2026
Über den Autor
Claudio Lohs
MBA. 20+ Jahre in der Golfbranche als Spieler, Club-Präsident und Stratege. 12+ Jahre Marketing-Expertise in Brand Management und E-Commerce. Ich arbeite für Sie. Für niemanden sonst.
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